Material

Diese Materialsammlung ist im Aufbau begriffen. Sie enthält in der Schweiz wachsende Pflanzenarten, die sich zum Besen binden eignen.

Die Pflanzen sind in Gruppen zusammengefasst und alphabetisch geordnet.

Geeignetes Material zu finden, ist nicht einfach. Beispielsweise sind die meisten Zweige von normal gewachsenen Sträuchern und Bäumen ungeeignet zum Besenbinden. Als Reisig dienen meist nur schnell gewachsene, schlanke Zweige. Auch Jahreszeit und Menge müssen stimmen. Und schliesslich muss es erlaubt sein, das Material zu ernten. Wichtig sind folgende Punkte:

  • An vielen Orten darf man keine Pflanzen ernten (z.B. in Naturschutzgebieten, wozu auch die meisten Feuchtgebiete gehören).
  • Ernten am falschen Ort kann Schäden verursachen (z.B. Ernten, wo es nur wenige Pflanzen hat oder im Schutzwald).
  • Vor dem Ernten immer abklären, ob das Ernten erlaubt ist.

Bäume

Grundsätzlich könnte man das Reisig aller einheimischen Baumarten zum Besenbinden verwenden. Doch haben viele Arten zu weiches oder zu grobes Reisig oder sie werden schnell brüchig.

Birke

Birke (Betula pendula und B. pubescens) ist in Europa die meistverwendete Baumart zur Herstellung von Reisigbesen. Die Birke ist ein Pionierbaumart, d.h. sie wächst oft an lichtreichen Stellen an Waldrändern, Böschungen und sich selbst überlassenen Brachflächen.

Die Äste von jungen Birken eignen sich besonders gut zum Besen binden. 

Birkenreisig, das beim Rückschnitt einer Birke in einem Garten angefallen ist.

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Eibe

Gemäss Hegi (1906) waren Eibenzweige „früher im Zürcher Oberland als Stubenbesen sehr beliebt“. Wie mögen diese Besen wohl ausgesehen haben? Die Eibe wächst eher vereinzelt in oft steilen Wäldern und wird auch in Gärten gepflanzt.

Eine Eibe im Laubwald. Typischerweise erreichen Eiben nicht die Höhe, der sie umgebenden Laubbäume.

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Rotbuche

Das Reisig der Rotbuche (Fagus sylvatica) eignet sich, um grobe Stallbesen herzustellen. Die Rotbuche ist eine der häufigsten Baumarten der Schweiz.

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Gräser

Im Detailhandel sind Besen aus Besenhirse („Reisbesen“; Sorghum bicolor) weit verbreitet. Die Besenhirse ist ein Gras, doch kommt sie in der Schweiz nicht wild wachsend vor. Von den einheimischen Gräsern eignen sich v.a. Arten mit langen knotenlosen Stängelabschnitten zum Besen binden.

Bambus

Aus Asien importierte Reisigbesen aus Bambus sind im Detailhandel weit verbreitet. Bambus ist ein "Riesengras" und wird oft in Gärten gepflanzt. Die Bambus-Arten mit langen Ausläufern (z.B. Phyllostachys spp.) kommen gelegentlich verwildert vor, insbesondere in der Südschweiz.

Verwilderter Bambus im Tessin.

Frisch geerntete Bambustriebe. Die Halme dienen als Besenstiele, die Zweige als Besenreisig.

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Borstgras

Das Borstgras (Nardus stricta) wird traditionell nicht zur Besenherstellung genutzt (anderweitige Informationen bitte melden). Borstgras wächst in den Bergen auf mageren und sauren Böden. Insbesondere an schattigen oder feuchten Orten bildet die Art lange Halme aus, die sich zum Flechten von kleinen Besen eignen.

Borstgras, Heidelbeere und Alpenrose wachsen oft beisammen.

Zum Trocknen ausgelegtes Borstgras mit Besen aus Borstgras.

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Gold-Bartgras

Hegi (1906) schreibt zur Verwendung von Gold-Bartgras (Chrysopogon gryllus): „Aus den Wurzeln werden im Süden feinere Bürsten angefertigt.“ Das Gold-Bartgras ist selten und wächst in schützenswerten Trockenwiesen. Es sollte in der Schweiz nicht geerntet werden.

Gold-Bartgras mit jungen Blütenständen.

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Pfeifengras

Pfeifengras (Molinia caerulea aggr.) eignet sich gut zum Besen binden: Die Halme haben keine Knoten und die Rispenäste brechen nicht leicht ab. In der Schweiz gibt es zwei Arten von Pfeifengras.  

Das Blaue Pfeifengras (Molinia caerulea) wird in den Schweizer Nordalpen traditionell in frischem Zustand genutzt, um kleine Besen zu flechten. Das Blaue Pfeifengras wächst in Feuchtgebieten.

Im Herbst färbt sich das Blaue Pfeifengras gelb-orange. 

Frisch geerntetes Blaues Pfeifengras.

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Das Rohr-Pfeifengras (Molinia arundinacea) hat deutlich längere und dickere Halme als das Blaue Pfeifengras. Es wächst in lichten Wäldern, an Böschungen und wird auch in Gärten gepflanzt.

Garten mit hochwüchsiger Sorte von Rohr-Pfeifengras im Herbst.

Mit der Heckenschere geerntetes Rohr-Pfeifengras aus einem Garten. Zum trocknen aufgesetellt.

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Schilf

Schilf (Pragmites australis) dient z.B. in Korea und in der Ukraine zur Herstellung von Besen. Genutzt werden hauptsächlich die getrockneten jungen Blütenstände. Schilf wächst an Gewässern und in Feuchtgebieten.

Dichter Schilfbestand im Frühjahr: Diesjährige grüne Triebe und letztjährige dürre Triebe mit alten Blütenständen.

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Sträucher

Alle Stäucher mit steifen Zweigen können zu Besen gebunden werden. Auch das feine und steife Reisig von Zwergsträucher — Besenheide, Rauschbeere — eignet sich eigentlich gut. Doch findet man Zwergsträucher nur selten mit genügender Wuchshöhe. Die seltenen grosswüchsigen Bestände sollten aus Naturschutzgründen geschont werden.

Besenginster

Aus den biegsamen Zweigen des Besenginsters (Cytisus scoparius) werden traditionell Besen hergestellt. Joos (1926) kontrastiert den Besenginsterbesen zu den gröberen Birken- und Grauweidenbesen: „für die Hausfrau aber in Stube und Kammer oder zum Kehren des Ofenbodens beim Backen wurde der feinste und nobelste Besen aus dem grünen Besenginster hergestellt“. Der Besenginster wächst auf sauren Böden in Weiden und an Waldrändern.

Der Besenginster hat grüne Zweige.

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Besenheide

Die Beseneheide (Calluna vulgaris) wird traditionell zum Besen binden verwendet. Die Besenheide wächst auf mageren und sauren Böden vom Flachland bis in die Berge.

Die Besenheide blüht im Herbst. Die ähnliche Schneeheide (in Vordergrund; Erica carnea) blüht im Frühling.

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Buchs

In Hegi (1925) steht zum Buchs (Buxus sempervirens) geschrieben: „In den Vogesen band man früher aus den im Herbste geschnittenen Zweigen Besen, die gegenwärtig aber durch Reisigbesen ersetzt worden sind.“ Buchs wird häufig in Gärten gepflanzt und wächst selten wild in Wäldern an warmen Lagen.

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Faulbaum

Hegi (1925) steht zum Faulbaum (Frangula alnus) geschrieben „Im Oberhaslital in der Schweiz, wo der Strauch „Hautbaum“ heisst, werden die Zweige zu Besen gebunden, die dauerhafter sein sollen als Birkenbesen“. Der unauffällige Faulbau wächst sowohl in feuchten als auch in trockenen Wäldern und Gebüschen.

Hartriegel


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Hasel

Das Reisig des Haselstrauchs (Corylus avellana) eignet sind nicht besonders, um daraus Besen zu binden. Doch aus astfreien und gerade gewachsenen Trieben lassen sich Span-Bänder rausbrechen. Diese eignen sich als Bindmaterial für Reisigbensen. Haseln wachsen im Laubwald und werden auch im Siedlungsraum gepflanzt.


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Heckenkische

Das Reisig der Roten Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) wird aufgrund seiner hohen Festigkeit traditionell zu Besen gebunden. Auch andere strauchförmig wachsende Heckenkirschen (z.B. Lonicera nigra) eignen sich wohl zum Besenbinden. Die Rote Heckenkirsche wächst in Laubwäldern, an Waldrändern und wird oft in Hecken gepflanzt.

Die Rote Heckenkirsche ist im Winter an ihrer hellen Rinden und den gegeständigen Knospen zu erkennen.

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Rauschbeere

Das feine und steife Reisig der Gewöhnlichen Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) wird in Finnland (und gemäss Hegi 1927 in Pommern) zu Besen gebunden. Die Rauschbeere wächst hauptsächlich in unter Naturschutz stehenden Hochmooren. Die im Gebirge häufige Kleinblättrige Rauschbeere (Vaccinium gaultherioides) eignet sich aufrund ihrer geringen Wuchshöhe nicht zum Besenbinden.

Rauschbeeren in einem Hochmoor.

Zu einem Handbesen zusammengebundenes Rauschbeerenreisig in Finnland.

Weiden

Es gibt sowohl strauch- als auch baumförmig wachsende Weiden (Salix spp.). Gespaltene oder verdrehte, astlose Zweige (Ruten) von in Kopfkultur oder in Bodenkultur gezogene Weiden (oft S. alba, S. euxina, S. purpurea, S. viminalis und ihre Hybriden) dienen als Bindmaterial für Reisig- und Besenhirsebesen. Joos (1926) erwähnt, dass Grauweide (Salix cinerea) zäher und dauerhafter als Birke sei, und darum zu Stallbesen gebunden wurde.    

Weiden (wahrscheinlich Hybrid Salix alba x euxina) in Kopfkultur.

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Sauergräser

Rispen-Segge

Gemäss Simpson und Inglis (2021) wurden in Grossbritannien aus der Rispen-Segge (Carex paniculata) Besen gebunden. Die Rispensegge wächst in Feuchtgebieten.

Horste der Rispensegge im Frühling.

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Schneidebinse

Schneidebinse (Cladium mariscus) wird traditionell nicht zum Besenbinden genutzt. Die zähen Blätter wurden gemäss Simpson und Inglis (2021) als Bindmaterial und zum Dachdecken verwendet. In der Schweiz wächst die Schneidebinse fast ausschliesslich in unter Naturschutz stehenden Feuchtgebieten. Darum sollte nur das bei der Naturschutzgebietspflege anfallende Schnittgut verwendet werden.

Die Schneidebinse kann in nährstoffarmen Feuchtgebieten dichte Bestände bilden.

Getrocknete Blätter der Schneidebinse.

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Zittergras-Segge

Die langen, feinen aber stabilen Blätter der Zittergras-Segge (Carex brizoides) werden traditionell als Polster- und Flechtmaterial genutzt. Eine traditionelle Verwendung zum Besenbinden ist nicht bekannt. Die Zittergras-Segge wächst oft in dichten Beständen in Laubwäldern mit saurem und staunassem Boden.

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Weitere Arten

Bärlapp

In Hegi (1906) steht zum Keulen-Bärlapp (Lycopodium clavatum) folgendes geschrieben: „In manchen Gegenden (z.B. Schwaben, Krain) wird Lycopodium clavatum zu Oferwischern benützt.“

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Besen-Radmelde

Die Besen-Radmelde (Bassia scoparia) eignet sich gut zum Besenbinden. Sie stammt aus Ostasien und wächst in der Schweiz selten auf Schuttstellen in warmen Lagen. Gelegentlich wird sie als einjährige Zierpflanze (Sommerzypresse) kultiviert. In Südosteuropa wird die Besen-Radmelde angebaut, um daraus Besen zu binden.

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Brombeere

Aus den langen Trieben von Brombeeren (Rubus fruticosus aggr.) lassen sich Faserbänder gewinnen, die sich als Bindmaterial für Besen eignen.

Brombeerdickicht. Die unverzweigten Triebe kann man zu Faserbänder verarbeiten.

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Hanfpalme

Aus den Fasern am Stamm der Hanfpalme (Trachycarpus fortunei) werden in Ostasien traditionell Besen hergestellt. Aus den Blättern kann man Besen und eine Art Bast herstellen. Die Hanfpalme stammt aus Asien und wächst in der Südschweiz an warmen Lagen in Wäldern und Gebüschen.

Wild wachsende Hanfpalmen im Tessin.

Verschiedene Materialien der Hanfpalme: Fasern des Stamms, Bast aus jungen Blättern und in Blattspreiten und Blattrippen separierte ausgewachsene Blätter.

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Saat-Leindotter

Der Saat-Leindotter (Camelina sativa) kann ähnlich wie Raps angebaut werden und tritt selten als Ackerunkraut auf. Hegi (1919) schreibt zur Verwendung: „Das Stroh eignet sich zur Herstellung von Besen.“ Und zum Namen: „In der Schweiz (Solothurn, Aargau) ist der Name Beseli-Reps gebräuchlich, wohl deshalb, weil man aus dem Kraut Besen bindet.“

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